SC 1961 König Nied e.V.
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Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie fand im Saalbau Nied am 26. Juni 2020 wieder ein „analoger“ Schachabend statt.

Zuvor hatte sich unser Vorstand Gedanken darüber gemacht, wie unter coronabedingten Auflagen ein Spiel- oder Trainingsabend interessant gestaltet werden kann. Wettkämpfe oder wettkampfähnliches Training ist ohne Bruch des Abstandsgebots (1,50 Meter) kaum möglich. Der Vorstand hat sich aber Alternativen einfallen lassen.

Die Saalbau erlaubt unter Hinweis auf öffentlichrechtliche Ordnungsvorschriften, die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und allgemeine Hygieneempfehlungen die Nutzung ihrer Räume nur unter strengen Auflagen. So besteht in den Häusern der Saalbau generell Maskenpflicht. Im Clubraum kann die Maske abgenommen werden, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird. Beim Eintritt in den Clubraum sind die Hände zu desinfizieren. Jeder muss sich in eine Teilnehmerliste eintragen, um im Falle eines Falles die Infektionskette zurückverfolgen zu können. In unserem angestammten Clubraum 5 dürfen sich im Hinblick auf das Abstandsgebot nicht mehr als 10 Personen aufhalten. Hierauf fußend haben wir ein mit der Saalbau abgestimmtes Hygienekonzept erstellt und für zwei Spielabende vor der Saalbau-Sommerpause versucht, mit zwei Veranstaltungen das Interesse unserer Mitglieder zu wecken.

Den Anfang machte am 26. Juni Sfr. Oliver Uwira, der den interessierten Zuhörern bzw. Zuschauern zwei historische Partien aus der Jahrhundertwende (1900) vorstellte. Oliver hat für seine Präsentation zwei Partien zwischen dem damals amtierenden Weltmeister Emanuel Lasker und dem Amerikaner Harry Nelson Pillsbury, einem seiner stärksten Kontrahenten und zeitweilig die Nummer 1 der nachträglich erstellten Weltrangliste, ausgesucht. Die erste Partie wurde 1896 im Viermeisterturnier in St. Petersburg gespielt und von Lasker spektakulär gewonnen. Oliver zeigte sich gut vorbereitet und führte uns in die tiefgründige Gedankenwelt der Meister und ihre strategischen Pläne und taktischen Finessen ein, an denen die Partie ausgesprochen reich war. Wo es sinnvoll war, machte er auch kurze Ausflüge in Nebenvarianten und Änderungen in der modernen Spielpraxis, insbesondere in der Eröffnungsphase (es handelte sich um die Tarrasch-Verteidigung im abgelehnten Damengambit). Auf die zahlreichen Zwischenfragen konnte er gewohnt sachkundig Auskunft geben. Wichtig war es ihm, die Kraft des aktiven Spiels zu demonstrieren, welche das Minus eines Bauern oder einer Qualität ohne Weiteres aufheben und spektakuläre Kombinationen erlauben kann. Das ließ sich an dem wechselhaften und spannenden Verlauf der Partie anschaulich zeigen. Nicht zu Unrecht gilt die Partie von 1896 als eine der besten Laskers, und Lasker selbst hatte sie als seine beste Partie bezeichnet.


In der zweiten Partie, gespielt 1904 in Cambridge Springs, brachte Pillsbury eine Neuerung gegenüber der Partie von 1896, die er sich angeblich extra für das Match gegen Lasker aufgehoben hatte. In der Tat konnte er die Partie für sich entscheiden. Obwohl er, zwei Jahre vor seinem frühen Tod bereits durch Krankheit geschwächt, nicht mehr auf dem Zenit seiner Leistungskraft war, zeigte er eine sehenswerte Partie gegen den Weltmeister.


Oliver vergaß auch nicht, Anekdoten am Rande und Wissenswertes neben dem Schachbrett zu Leben und Wirken der beiden Kontrahenten zum Besten zu geben. Alles in allem dank Oliver eine interessante und abwechslungsreiche Veranstaltung, die Lust auf mehr machte.

Am nächsten Freitag wird Sfr. Daniel Prenzler einen Problemlösungswettbewerb organisieren mit Zwei- und Mehrzügern sowie Studien unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Danach ist im Saalbau Nied für drei Wochen Sommerpause. Was dann ab 31. Juli schachlich geht hängt von Corona ab und bleibt erst mal abzuwarten.

Oliver Uwira am DemobrettOliver Uwira am Demobrett

Die TeilnehmerDie Teilnehmer verfolgen gespannt den Vortrag und halten gebührend Abstand